Wer hält mich, wenn ich niemanden mehr halten muss?
„Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, geben uns Halt im Leben.“
(Marie von Ebner-Eschenbach)
Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht.
Denn was geschieht, wenn genau dieser Halt plötzlich wegbricht?
In den letzten Monaten begegnen mir immer häufiger Menschen aus helfenden und beratenden Berufen, die sagen:
„Ich kann andere wunderbar begleiten.
Aber wenn ich selbst falle, weiß ich nicht, wer mich hält.“
Wie oft beziehen wir unseren Wert daraus, gebraucht zu werden?
Und wie schmerzhaft wird es, wenn diese Aufgabe wegfällt durch Rente, berufliche Veränderungen, eine Trennung oder einen anderen Wendepunkt im Leben.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit:
Kann ich mich selbst halten, wenn äußere Sicherheiten wegbrechen?
Mich selbst halten heißt für mich:

mir selbst treu bleiben, auch wenn andere es nicht verstehen.

ein Nein sagen können, wenn es ein Ja zu mir ist.

Alleinsein nicht nur aushalten, sondern als Begegnung mit mir selbst erleben.

Frieden finden, der nicht davon abhängt, ob jemand da ist.

erkennen, dass mein Wert nicht davon abhängt, gebraucht zu werden.
Wir wachsen nicht daran, dass alles sicher bleibt.
Wir wachsen daran, dass wir lernen, auch im Sturm stehen zu können.
Genau dort beginnt echte Selbstführung.
Nicht, weil wir niemanden mehr brauchen,
sondern weil wir entdecken:
Der Halt, nach dem wir so lange im Außen gesucht haben, kann auch in uns entstehen.